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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geltend machen von Studienkosten als dualer Student



homomoe
27.06.2017, 19:54
Hallo liebe Community,

ich versuche zu verstehen ob ich als dualer Student meine Studienkosten geltend machen kann oder nicht. Hierzu habe ich einige Überlegungen angestellt und versucht es so aufzuschreiben, dass es ein Laie verstehen würde.
Können einige von euch mir sagen, ob ich folgende Zusammenfassung korrekt ausgeführt habe oder ob sich hier Fehler eingeschlichen haben?


Um die Regelungen zu erklären, erkläre ich zunächst ein mal grundsätzlich die Lohnsteuer und das "zurück-bekommen" derselben:

Im Prinzip muss jeder, der im Jahr Brutto mehr verdient hat als es der sogenannte "Grundfreibetrag" festlegt, eine Lohnsteuer zahlen (auch Einkommenssteuer genannt). Der tatsächliche Steuerfreibetrag liegt zwar höher, bei circa 10.000€. Der Einfachheit halber nehmen wir aber an, das hierfür nur der "Grundfreibetrag" relevant ist. Dieser "Grundfreibetrag" liegt derzeit bei genau 8.354€. Jeder der weniger im Jahr verdient, muss keine Lohnsteuer auf seinen Bruttolohn zahlen.

Um folgende Thematik geht es nun:
Es besteht die Möglichkeit bestimmte Kosten von der Lohnsteuer abzuziehen. Hierzu zählen auch etwaige Studienkosten. Wie viele Kosten von der Steuer abgezogen werden können, hängt von der Art der Ausbildung ab.
Es wird hierbei nämlich zwischen Erst- und Zweitausbildung unterschieden. Diese erste Ausbildung (z.B. Berufsausbildung, Bachelor) muss mindestens zwölf Monate dauern, damit man von einer solchen sprechen und sie von einer Zweitausbildung (z.B. Master) unterscheiden kann.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Studenten unterschiedlichen Regelungen unterliegen was das geltend machen der Studienkosten angeht!

Die Regelung sagt also, dass bei einer Erstausbildung etwaige Studienkosten nur in Form von sogenannten "Sonderausgaben" geltend gemacht werden können. Diese Sonderausgaben sind auf eine Höhe von jährlich maximal 6000€ begrenzt - mehr kann man also nicht verrechnen, auch wenn man höhere Kosten für sein Studium in einem Jahr hatte.
Bei der sogenannten Zweitausbildung (z.B. einem Master) können die Studienkosten dann im Gegensatz zur Erstausbildung als sogenannte "Werbungskosten" geltend gemacht werden. "Werbungskosten" sind deshalb "besser" als "Sonderausgaben", weil sie unbegrenzt geltend gemacht werden können, d.h. es gibt hier keine Grenze von 6000€. Zusätzlich sind Werbungskosten "Verlustvortragsfähig", was auch der eigentlich Grund für den momentanen Hype um diese ganze Geschichte ist.
"Verlustvortragsfähig" bedeutet nämlich, dass die jährlich anfallenden Studienkosten solange gesammelt/addiert werden können, bis man sie geltend machen kann.

Das Problem ist nämlich, dass man logischerweise erst wenn man Steuern zahlt, überhaupt erst Steuern zurück bekommen kann. Die meisten Studenten müssen jedoch keine Lohnsteuer zahlen, sie verdienen ja während ihres Studiums nicht mehr als der Grundfreibetrag (8.354€), ab dem man überhaupt erst Steuern zahlt. Für
Studenten, die ihre Studienkosten also als "Werbungskosten" geltend machen können, ist das kein Problem. sie können ihre Studienkosten so lange sammeln, bis sie ihr erstes richtiges Einkommen beziehen und steuern bezahlen.
Studenten die ihre Studienkosten hingegen bloß als "Sonderkosten" geltend machen können, müssten sie noch im selben Jahr von der Lohnsteuer abziehen. Da die meisten keine Lohnsteuer zahlen, verfällt für sie die Möglichkeit ihre Studienkosten abzusetzen.

Anders gesagt: Studenten in der Erstausbildung können ihre Studienkosten nicht während ihrem Studium in Form eines Verlustvortrages sammeln. Studenten in der Zweitausbildung können dies hingegen schon.

Ob jetzt trotz einer Erstausbildung Werbungskosten geltend gemacht werden können und damit ein Verlustvortrag aufgebaut werden kann, darüber wird momentan entschieden. Ein entsprechender Prozess läuft gerade beim Bundesverfassungsgericht und in den nächsten zwei Jahren kann man mit einem Urteil rechnen.
Der Hype darüber ist natürlich auf Grund der Vorteile, die die Möglichkeit zur Absetzung der Werbungskosten im Gegensatz zu Sonderausgaben haben, verständlich.

Dies spielt jedoch bei einem dualen Studium in beinahe allen Fällen keine Rolle!
Bei einem Dualen Studium fallen nämlich sowieso schon Werbungskosten an, weil dort in der Regel ja auch Einkünfte erzielt werden. Wie hoch die Einkünfte im dualen Studium sind spielt im übrigen keine Rolle. Im dualen Studium fallen grundsätzlich Werbungskosten an.
Dh. für Dich, Du kannst sämtliche Kosten im Zusammenhang mit dem Studium als Werbungskosten in der Anlage N absetzen und einen Verlustvortrag aufbauen. Für einen dualen Studenten ändert sich somit absolut gar nichts, alles bleibt wie es ist.

"Toll", mag da ein dualer Student denken, "dann werde ich all meine Studienkosten nach meinem Studium absetzen - die Anträge für einen Verlustvortrag in jedem Jahr kann man schließlich auch noch rückwirkend für sieben Jahre einreichen!"

Hierfür muss jedoch erst einmal ein Verlust entstanden sein, den man vortragen kann. Einen Verlustvortrag gibt es nämlich nur dann, wenn - wie das Wort schon sagt - tatsächlich ein Verlust entsteht. Diesen kannst Du also ausschließlich dann feststellen, wenn Du mehr Geld für das Studium bezahlst als Du jährliches Einkommen hast.

Ein Beispiel hierzu:
Hast Du im Jahr 9.000€ brutto verdient und 6.000€ Werbungskosten, dann bleiben 3.000€ übrig. Damit hast du also keinen Verlust gemacht. Um einen Verlust zu haben, müsstest du Werbungskosten haben, die höher als Dein jährliches Einkommen sind.

Und genau darin liegt der Haken im Bezug auf das duale Studium. Im Dualen Studium verdient glaube ich jeder genug, um seine jährlichen Studienkosten zu decken. Für duale Studenten ist es in der Regel nahezu unmöglich, mehr Kosten als Einkünfte zu haben.
"Normale Studenten" hingegen profitieren von einer eventuellen neuen Rechtslage enorm. Sie könnten nun wie im Zweitstudium (z.B Master) ihre Studienkosten in den Verlustvortrag feststellen. Da sie in der Regel kein jährliches Einkommen haben, haben sie viel häufiger einen jährlichen Verlust vorzuweisen. Diesen könnten Sie mit einem neuen Urteil zugunsten der Studenten im Erststudium solange vortragen, bis sie nach ihrer Studienzeit ihre Kosten geltend machen können.

Am meisten bringen die Studienkosten also momentan, wenn man seine Zweitausbildung macht (z.B. Master) und diese nicht im dualen System stattfindet. Wenn Deine Einkünfte hier nahe 0€ sind und Du bspw. 3.000€ Studienkosten hast, dann hast Du ja einen "Verlust" von 3.000€ gemacht und den kannst Du dann solange vortragen (sammeln), bis Du den Verlustvortrag absetzen und dadurch die Steuerlast vermindern kannst. Das natürlich wiederum nur, wenn Du auch Steuern zahlst, also Dein Bruttojahresgehalt über dem Grundfreibetrag von 8.355€ liegt - vorher wirst Du nämlich keine Lohnsteuer zahlen, die Du zurückbekommen könntest.

Diejenigen dualen Studenten, die ein Bruttojahresgehalt über dem Grundfreibetrag haben, können ihre Steuern natürlich unabhängig von dieser ganzen Thematik absetzen. Grund hierfür ist, dass die Lohnsteuer auf der Lohnsteuerabrechnung so berechnet ist, als hätte man jährlich keine Kosten, die insgesamt höher als 1000€ sind. Sobald man über 1000€ nachweisen kann, wird der darüberliegende Betrag von der gezahlten Lohnsteuer zurück erstattet (falls man seine Kosten in der Steuererklärung angibt). Maximal wird einem somit aber nur die im Jahr bezahlte Lohnsteuer zurückgezahlt. Um seine eventuell bezahlte Lohnsteuer zurück bezahlt zu bekommen, eignen sich die Studienkosten ideal. Mit Hilfe der Studienkosten einen Verlustvortrag aufbauen können, werden hingegen nur die wenigsten im dualen Studium...

(Wichtig ist natürlich, dass man noch über entsprechende Belege über seine Ausgaben verfügt, vor allem wenn man wirklich mehr Ausgaben als Einnahmen hat und einen Verlustvortrag geltend machen möchte - besonders im Zweitstudium)



Vielen Dank vorab für euren Input.

Grüße,
homomoe

Charlie24
27.06.2017, 20:02
Mit Hilfe der Studienkosten einen Verlustvortrag aufbauen können, werden hingegen nur die wenigsten im dualen Studium...

Richtig erkannt, aber was ist jetzt konkret deine Frage zu elektronischen Steuererklärung -ELSTER-?

Um Fragen zur elektronischen Steuererklärung geht es nämlich in diesem Forum und nicht um die Fragen des Steuerrechts Darum heißt das Forum ja auch ELSTERFORUM!

homomoe
27.06.2017, 20:04
Hi Charlie,

da muss ich dir Recht geben, das hat damit rein gar nichts zu tun.
Aber trotzdem danke für deine Antwort - jetzt habe ich Klarheit.

Wird mein Beitrag nun gelöscht oder wie sieht das aus?

FIGUL
27.06.2017, 20:11
Hi Charlie,

da muss ich dir Recht geben, das hat damit rein gar nichts zu tun.
Aber trotzdem danke für deine Antwort - jetzt habe ich Klarheit.

Wird mein Beitrag nun gelöscht oder wie sieht das aus?

Hallo,

was soll der Käse?
Falsche/veraltete Werte(Grundfreibetrag)
Verlustvortrag wird auf Einkünfte angerechnet. Egal wie hoch die Einkünfte sind
Bsp. Verlustvortrag 3000.- Einkünfte im Folgejahr 6000.-
Es sind keine Steuern angefallen. Verlustvortrag verpufft.

Gruß FIGUL

Charlie24
27.06.2017, 20:11
Wird mein Beitrag nun gelöscht oder wie sieht das aus?

Ich werde ihn sicher nicht löschen. Du hast dir ja viel Mühe gemacht, auch wenn vielleicht nicht jeder einzelne Satz oder jede Schlussfolgerung ganz stimmig ist.

homomoe
27.06.2017, 20:30
Verlustvortrag wird auf Einkünfte angerechnet. Egal wie hoch die Einkünfte sind
Bsp. Verlustvortrag 3000.- Einkünfte im Folgejahr 6000.-
Es sind keine Steuern angefallen. Verlustvortrag verpufft.
Gruß FIGUL

Ah das ist mal interessant, das heißt mein Verlustvortrag schmälert sich wenn ich ihn im Jahr 2016 aufgebaut habe, im 2017 jedoch kein Verlust entsteht sondern ich höhere Einkünfte als Kosten habe.
Schlussfolgerung wäre ja dann, dass ich über mein gesamtes Studium nur einen Verlustvortrag aufbauen kann, wenn ich während dem gesamtem Studium unterm Strich mehr Ausgaben habe als Einkünfte - richtig?

Charlie24
27.06.2017, 20:43
Schlussfolgerung wäre ja dann, dass ich über mein gesamtes Studium nur einen Verlustvortrag aufbauen kann, wenn ich während dem gesamtem Studium unterm Strich mehr Ausgaben habe als Einkünfte - richtig?

Genauso ist das! Der derzeitige Hype um diese Verlustvorträge ist völlig übertrieben!

Wenn ein normaler Masterstudent da in 3 Jahren Studium 10.000,00 € Verluste angesammelt hat und nach Abschluss des Studiums im Oktober seine 1. Stelle antritt und in diesem Restjahr 12.000,00 € brutto verdient,
dann ist sein gesamter Verlustvortrag praktisch wirkungslos verpufft. Und wenn sein Brutto bei 12.500,00 € liegen würde, hätte er sage und schreibe gerade mal 50,00 € Steuern gespart!

Anja39
28.06.2017, 09:05
In diesem Zusammenhang dann auch der Hinweis, dass diese Aussage:

Es besteht die Möglichkeit, bestimmte Kosten von der Lohnsteuer abzuziehen.
nicht nur völlig falsch ist, sondern auch gedanklich - und vor allem rechnerich - völlig falsche Ergebnisse produziert.

'Bestimmte Kosten' mindern allenfalls den zu versteuernden Einkommensbetrag.

Sich dessen bewusst zu sein ist Voraussetzung dafür, das Ergebnis einer erstellten elektronischen Steuererklärung zu verstehen bzw. zu akzeptieren.

holzgoe
28.06.2017, 10:15
Hallo,

das ist glaube ich so festgebissen in den Köpfen der Allgemeinheit -> das Finanzamt erstattet mir Kosten für ..........alles mögliche...bzw. die Biertischdiskussionen zwei haben den gleichen Arbeitsweg und die gleichen Werbungskosten und der eine kriegt 800 Euro wieder und der andere nur 150 Euro (weil er nicht mehr Steuern gezahlt hat).

Da kann man wirklich nur gebetsmühlenartig wiederholen Kosten mindern den Gesamtbetrag der Einkünfte und letztendlich das zu versteuernde Einkommen.

Tschüß

Febedie
28.06.2017, 10:58
Hallo

Hallo,

das ist glaube ich so festgebissen in den Köpfen der Allgemeinheit -> das Finanzamt erstattet mir Kosten für ....
Und das wird auch so bleiben, solange Eröffnungspostings wie hier zu lesen sind. Wer per Suchfunktion hierher kommt und das alles für bare Münze nimmt, was da oben im ersten Beitrag geschrieben steht, hat am Stammtisch abends die besten (aber leider falschen) Argumente um als vermeintlich Steuerfachkundiger diese "Ansichten" weiter zu verbreiten und in den Köpfen festzunageln.
Meiner Meinung nach sollte der erste Beitrag hier deutlich als inhaltlich nicht korrekt dargestellt werden oder aber am besten der ganze Thread gelöscht werden.

Man kann leider nicht davon ausgehen, dass jemand, der sich mit dem lesen des Eröffnungspostings in seiner Meinung bestätigt fühlt, auch die anderen Antworten durchliest und entsprechend umsetzt.

SG...

Charlie24
28.06.2017, 13:07
Meiner Meinung nach sollte der erste Beitrag hier deutlich als inhaltlich nicht korrekt dargestellt werden oder aber am besten der ganze Thread gelöscht werden.

Ganz so ist es nicht! Manche Feststellungen sind ja durchaus richtig, wie zum Beispiel:


Hast Du im Jahr 9.000€ brutto verdient und 6.000€ Werbungskosten, dann bleiben 3.000€ übrig. Damit hast du also keinen Verlust gemacht. Um einen Verlust zu haben, müsstest du Werbungskosten haben, die höher als Dein jährliches Einkommen sind.
Und genau darin liegt der Haken im Bezug auf das duale Studium. Im Dualen Studium verdient glaube ich jeder genug, um seine jährlichen Studienkosten zu decken.
Für duale Studenten ist es in der Regel nahezu unmöglich, mehr Kosten als Einkünfte zu haben.

Dass dann an anderer Stelle Begriffe falsch oder missverständlich verwendet wurden, trifft zu. Seine Schlussfolgerung, nämlich:


Mit Hilfe der Studienkosten einen Verlustvortrag aufbauen können, werden hingegen nur die wenigsten im dualen Studium...

stimmt aber wieder. Warum also soll ich das Thema löschen?

FIGUL
28.06.2017, 13:17
Hallo,

@Charlie24

Zitat: Warum also soll ich das Thema löschen?

Warum fühlst du dich immer angesprochen.
Es gibt mehrere erfahrene Benutzer, die das auch können.

Gruß FIGUL

Charlie24
28.06.2017, 13:27
Es gibt mehrere erfahrene Benutzer, die das auch können.

Löschen? Da wäre ich mir jetzt nicht so sicher. Außerdem hat mich der TE ja selbst gefragt, ob sein Beitrag jetzt gelöscht wird.

holzgoe
28.06.2017, 13:32
Hallo,

grundsätzlich wurde ja in der ersten Antwort schon festgestellt, dass es kein Thema für dieses Forum ist, weil es steuerrechtliche Fragen berührt.

Vielleicht schließen wir das Thema und dann rutscht es mal vom Blickfang weg.


Tschüß

Charlie24
28.06.2017, 14:23
Schließen ist ein vernünftiger Kompromiss zwischen Zensur und absoluter Liberalität.