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Thema: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

  1. #11
    Erfahrener Benutzer
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    28.05.2007
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    Standard AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

    Hier mein Erklärungsversuch an den Fragesteller:

    Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach dem zu versteuernden Einkommen. Dieses ist nicht mit dem Bruttoeinkommen identisch, sondern es werden Dinge (ganz oder anteilig) abgezogen, die man absetzen kann, wie Sozialversicherungsbeiträge, Kinderfreibeträge, Spenden und die Werbungskosten, die man als Arbeitnehmer hat. Für viele Dinge gibt es Pauschalen, die mindestens angesetzt werden.

    Dazu gehört für die Werbungskosten eines AN der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1000 Euro. Den kriegt jeder mindestens, selbst wenn er Null Werbungskosten hat, weil er im Haus neben seiner Arbeitsstelle wohnt, keine Fachliteratur etc. braucht. Wer 2000 Euro Werbungskosten hat, muss die in seine Erklärung reinschreiben, dann werden halt 2000 Euro vom Bruttoeinkommen abgezogen statt der Pauschale von 1000 Euro.

    Relevanz eines Freibetrags auf der Lohnsteuerkarte hierfür: Keine.

    Der kommt erst bei der Lohnsteuer ins Spiel. Die ist eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer, ähnlich wie die monatlichen Abschläge beim Strom (es gibt Staaten, die gar keine Lohnsteuer kennen, da kriegt man das volle Gehalt, dann macht man einmal jährlich seine Steuererklärung, es kommt eine Rechnung über die Steuer und die zahlt man dann, da kriegt man beim Gehaltszettel als Deutscher erstmal das Freudestrahlen, bis einen die Erkenntnis trifft, dass man besser was für die Steuer zurück legt).

    Die Lohnsteuer auf das Monatseinkommen wird grob so berechnet, dass bei jemand, der jeden Monat dasselbe verdient, am Ende die Lohnsteuer für die 12 Monate der Einkommensteuer entspricht. Hierfür wird bei der Berechnung der Lohnsteuer die Werbungskostenpauschale von 1000 Euro schon berücksichtigt.

    Wer also dem FA glaubhaft macht, dass er mindestens 2000 Euro Werbungskosten haben wird, kriegt 1000 Euro als zusätzlichen Freibetrag eingetragen. Das heißt nicht, man zahlt 1000 Euro weniger Lohnsteuer. Sondern der AG wird so rechnen, als würde man 1000 Euro weniger im Jahr verdienen, bzw. 83 Euro weniger im Monat.

    Nebenbei entsteht durch den eingetragenen Freibetrag die Pflicht, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Da wird mit den realen Werten gerechnet. War die Schätzung, dass man mindestens 2000 Euro Werbungskosten haben wird, also zu hoch, und es waren nur 1800, so wird es dann eine Steuernachzahlung geben.

  2. #12
    Hagen-Gronert
    Gast

    Daumen hoch AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

    Zitat Zitat von neysee Beitrag anzeigen
    Hier mein Erklärungsversuch an den Fragesteller:

    Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach dem zu versteuernden Einkommen. Dieses ist nicht mit dem Bruttoeinkommen identisch, sondern es werden Dinge (ganz oder anteilig) abgezogen, die man absetzen kann, wie Sozialversicherungsbeiträge, Kinderfreibeträge, Spenden und die Werbungskosten, die man als Arbeitnehmer hat. Für viele Dinge gibt es Pauschalen, die mindestens angesetzt werden.

    Dazu gehört für die Werbungskosten eines AN der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1000 Euro. Den kriegt jeder mindestens, selbst wenn er Null Werbungskosten hat, weil er im Haus neben seiner Arbeitsstelle wohnt, keine Fachliteratur etc. braucht. Wer 2000 Euro Werbungskosten hat, muss die in seine Erklärung reinschreiben, dann werden halt 2000 Euro vom Bruttoeinkommen abgezogen statt der Pauschale von 1000 Euro.

    Relevanz eines Freibetrags auf der Lohnsteuerkarte hierfür: Keine.

    Der kommt erst bei der Lohnsteuer ins Spiel. Die ist eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer, ähnlich wie die monatlichen Abschläge beim Strom (es gibt Staaten, die gar keine Lohnsteuer kennen, da kriegt man das volle Gehalt, dann macht man einmal jährlich seine Steuererklärung, es kommt eine Rechnung über die Steuer und die zahlt man dann, da kriegt man beim Gehaltszettel als Deutscher erstmal das Freudestrahlen, bis einen die Erkenntnis trifft, dass man besser was für die Steuer zurück legt).

    Die Lohnsteuer auf das Monatseinkommen wird grob so berechnet, dass bei jemand, der jeden Monat dasselbe verdient, am Ende die Lohnsteuer für die 12 Monate der Einkommensteuer entspricht. Hierfür wird bei der Berechnung der Lohnsteuer die Werbungskostenpauschale von 1000 Euro schon berücksichtigt.

    Wer also dem FA glaubhaft macht, dass er mindestens 2000 Euro Werbungskosten haben wird, kriegt 1000 Euro als zusätzlichen Freibetrag eingetragen. Das heißt nicht, man zahlt 1000 Euro weniger Lohnsteuer. Sondern der AG wird so rechnen, als würde man 1000 Euro weniger im Jahr verdienen, bzw. 83 Euro weniger im Monat.

    Nebenbei entsteht durch den eingetragenen Freibetrag die Pflicht, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Da wird mit den realen Werten gerechnet. War die Schätzung, dass man mindestens 2000 Euro Werbungskosten haben wird, also zu hoch, und es waren nur 1800, so wird es dann eine Steuernachzahlung geben.
    Guten Tag neysee,

    vielen Dank für Ihre ausführliche Erklärung, welche für zahlreiche Stpfl.
    eine hilfreiche Info ist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Hagen - Gronert

  3. #13
    Hagen-Gronert
    Gast

    Beitrag AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

    Guten Tag @ FIGUL,

    anlässlich des entstandenen Missverständnisses,
    erlaube ich mir meine Beiträge zu ergänzen.

    Betrifft:

    Einkommensteuer-Berechnung für Einkommen im Berechnungsjahr 2012

    Grundlage: ~~~ Rechenbeispiel zum Titel und Thema:
    AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

    Bezug: Beitrag # 8 von HAGEN - GRONERT gestern 21:37 Uhr:


    Mein Beitrag:

    Hagen-Gronert

    AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?
    Hallo Angie1988,

    Ihre Frage:

    Das heißt also, ohne diese Arbeitnehmerpauschale, müsste jeder 1000€ mehr an Lohnsteuer im Jahr bezahlen?

    Antwort: Nein

    Die Pauschale ist vom Finanzamt automatisch in dem ~ zu versteuernden Einkommen ~
    berücksichtigt. Das bedeutet, es ist weniger Steuer zu bezahlen:

    Beispiel: Zu versteuerndes Einkommen: (8000 €) 20.000 € geändert wegen Missverständnis

    abzüglich Arbeitnehmerpauschale ~~~: 1000 € (vom Finanzamt automatisch berücksichtigt)

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~ S a l d o: (7000 €) 19.000 €


    Aus dem Betrag von (7000 €) 19.000 € wird dann die zu zahlende Steuer berechnet.

    gez. Hagen - Gronert

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~

    E r g ä n z u n g:


    Berechnung der Einkommensteuer für obiges Rechenbeispiel:

    Berechnung der Einkommensteuer ~ o h n e ~ 1.000 € Arbeitnehmerpauschale:

    zu verst. Einkommen ~~~ zu verst. Eeinkommen lt. EST-Grundtabelle ~~~ tarifliche EST
    ~~20.000 € ~~~~~~~~~~~~~~ 20.028 € ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 2.708 € ~~


    Berechnung der Einkommensteuer ~ einschließlich ~ 1.000 € Arbeitnehmerpauschale:

    zu verst. Einkommen:
    ~ 20.000 € ~
    abzüglich 1.000 € Arbeitnehmerpauschale (vom Finanzamt automatisch berücksichtigt)


    zu verst. Einkommen ~~~ zu verst. Einkommen lt. EST-Grundtabelle ~~~ tarifliche EST
    ~~19.000 €~~~~~~~~~~~~~~~ 19.020 € ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ 2.439 € ~~

    ~~~~~~~~~ EST ~~ ohne ~~ Arbeitnehmerpauschale 2.708 €
    ~~~~~~~~~ EST einschließlich Arbeitnehmerpauschale 2.439 €

    ~~~~~~~~~ dementsprechend muss durch die
    ~~~~~~~~~ Arbeitnehmerpauschale
    ~~~~~~~~~ weniger EST bezahlt werden ~~~~~~~~ 269 €


    Die obige Einkommensteuerberechnung wurde mit der
    Einkommensteuer-Grundtabelle durchgeführt.

    Eine genaue Steuerberechnung kann unter Einbeziehung der Bestimmungen
    des Einkommensteuertarifs § 32 a durchgeführt werden.

    In der Hoffnung Figul, das bedauerliche Missverständnis aufgeklärt zu haben,
    verbleibe ich

    mit freundlichen Grüßen
    H a g e n - G r o n e r t

  4. #14
    Erfahrener Benutzer
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    05.03.2012
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    Standard AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

    Hallo,

    @Hagen_Gronert,

    mir ist das klar, wie das funktioniert.
    Ich meinte nur, dass dieses Beispiel mit diesen Werten nicht gerade aussagekräftig ist für einen "Neuling".
    Der könnte ja per Zufall auch an eine Est-Tabelle geraten.
    Nix für ungut und schöne Feiertage

    Gruß FIGUL

  5. #15
    Hagen-Gronert
    Gast

    Lächeln AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

    Zitat Zitat von FIGUL Beitrag anzeigen
    Hallo,

    @Hagen_Gronert,

    mir ist das klar, wie das funktioniert.
    Ich meinte nur, dass dieses Beispiel mit diesen Werten nicht gerade aussagekräftig ist für einen "Neuling".
    Der könnte ja per Zufall auch an eine Est-Tabelle geraten.
    Nix für ungut und schöne Feiertage

    Gruß FIGUL
    Guten Abend FIGUL,

    habe verstanden, o.k. alles klar.

    Gerne wünsche ich Ihnen FIGUL und auch Ihren Liebsten schöne Feiertage.

    Tschüss, Hagen - Gronert

  6. #16
    Neuer Benutzer
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    9

    Standard AW: Arbeitnehmerpauschbetrag - Wie genau wirkt sich der auf mich aus?

    Hallo an alle,

    vielen Dank für eure Mühen und ausführlichen Antworten.

    Ich habe es nun verstanden, endlich

    Mir ist aufgefallen, dass ich immer von einer falschen Seite aus gedacht habe.

    Da war so ein kleiner Blocker im Kopf.

    Ich wünsche allen Helfenden eine besinnliche Weihnachtszeit, einen guten Rutsch und viel Erfolg bei der nächsten Einkommensteuerklärung

    Gruß



    Angie

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